
Auf dem heutigen Spaziergang mit dem Kind habe ich etwas gesehen, was wunderbar in die Schublade "Marburger Skurrilitäten" passt. Gut so, denn auf den ersten Blick dachte ich, dass ich den Verstand verliere.
Denn auf dem
Radweg, der unter der Konrad-Adenauer-Brücke in Marburg entlangführt, hörte ich plötzlich neben dem Grundrauschen der Marburger Stadtautobahn noch etwas anderes...und zwar die Comedian Harmonists...
Etwas entgeistert blieb ich stehen und versuchte die Stimmen zu lokalisieren. Und ich stelle mir gerade vor, wie seltsam das ausgesehen haben mag: Ich stehe entgeistert an der Brücke...ein Fahrradfahrer kommt vorbei (er scheint die Stimmen nicht zu hören)...und die Krönung des Tages wäre noch gewesen, dass jemand mich verwirrt umherlaufen sieht und daraufhin fragt, ob alles in Ordnung ist...ich aber nur antworte: "Die Stimmen! Ich kann sie hören! Können sie sie auch hören? Sie sprechen nicht zu mir...SIE SINGEN!"
...und zwar singen sie das Lied vom "Wirtshaus an der Lahn". Und wer es an dieser Stelle dann noch nicht geschafft hat, sich als komplett verhaltensauffällig zu outen, guckt unter der Autobahnbrücke einfach mal nach oben und erbittet um göttlichen Beistand. Den bekommt man dann zwar nicht, dafür aber die Lösung des Problems.
Es ist eine Audioinstallation des "
Erlebnispfad Lahnorama", die per Bewegungsmelder aktiviert wird.
Na klar! Da hätte man doch drauf kommen können...*hust*...oder?

Genauer gesagt handelt es sich hierbei um eine Hinweistafel, zwei Lautsprecher und einen Bewegungsmelder. Und jedesmal, wenn an dieser Stelle ein Radfahrer vorbeizischt, singen ihm die Comedian Harmonists noch ein Ständchen hinterher.
Warum? Ich zitiere:
Das bekannte Volkslied grüßt die vorbeikommenden Menschen in der Nähe der Stelle, an der bis 1970 das historische Wirtshaus an der Lahn stand. [...] Die Volksweise ist hier in der im Oktober 1933 aufgenommenen Version der erfolgreichen "Comedian Harmonists" zu hören [...]
Aha...
Welchen Sinn die ganze Aktion denn nun macht, wenn man direkt nebenan eine gut befahrene Stadtautobahn hat (und man das Lied daher nur so gut hört, als würde man besoffen im Soccer City Stadium in Johannesburg das Finale der WM 2010 miterleben), sei hier mal dahingestellt. Wer mag, kann gerne mal reinhören:
Aber in seiner gänzlichen Skurrilität passt es prima ins an Absonderlichkeiten nicht gerade arme Studentenstädtchen Marburg...ich erinnere nur an das kürzlich stattgefundene "
Hafenfest", bei dem sich jeder Marburger erstmal gefragt hat: "Welcher Hafen? Die meinen doch wohl hoffentlich nicht einen der vielen Anlegestellen für Kanus und Tretboote...oder?"
Doch...meinten sie...
